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Mein Leben als „Bonus-Mama“ mit 22

Schon in meiner frühen Kindheit hatte ich einen Plan: Schule, Ausbildung, Mann kennenlernen, heiraten, Kinder bekommen – am besten viele und auch nicht erst mit 30! Und dann traf ich kurz vor meinem 19. Geburtstag, auf dem Kindergeburtstag meines Cousins meinen Freund (also wir kannten uns vorher schon flüchtig, aber an diesem Tag sind wir uns erst so richtig aufgefallen). Er war dort, zusammen mit seinen beiden Söhnen, die zu diesem Zeitpunkt 1 und 4 Jahre alt waren. Ich wusste, dass er gerade frisch getrennt war, dass es nicht von ihm kam und er wirklich keine leichte Zeit hatte.

Wir begannen dann ganz klassisch uns zu schreiben, erst auf Facebook, dann auf WhatsApp und dann kam auch schon das erste Date. Relativ schnell bemerkte ich – Das könnte passen! Aber er hat zwei Kinder, von zwei verschiedenen Frauen. Will ich das? Kann ich das? Mit 19? Macht man da nicht andere Dinge? Ich sprach ganz lange mit meiner Mama über das Thema, da sie ihn auch kannte und uns zusammen mit seiner Tante sogar ein bisschen verkuppelt hat. Sie sagte mir: „Wenn es einer schaffen kann, dann du!“ Ich liebe Kinder schon immer, egal ob groß oder klein. Egal ob Junge oder Mädchen und jeder der mich kennt weiß, dass es mein größter Lebenswunsch ist irgendwann eine große Familie zu haben. Also warum nicht ausprobieren?

Als ich dann plötzlich nach einigen Dates die wundervollste Sprachnachricht meines Lebens bekommen habe, war für mich alles klar! „Hallo Lena, ich bin der Leandro und würde dich gerne kennenlernen! Willst du mich denn auch mal kennenlernen?“ Ich habe fast geweint und war direkt schockverliebt. Ich lernte die beiden kennen und lieben. Nach ein paar Wochen zog mein Freund mit mir in mein altes Kinderzimmer und da das natürlich dann am Wochenende mit Kindern nicht so gut funktionierte, zogen wir also dann relativ schnell in unsere erste gemeinsame Wohnung.

 

Am Anfang war es echt schwierig, ich hatte Angst den beiden Mamas gegenüberzutreten, hatte Angst etwas falsch zu machen, nicht genug zu machen. Aber natürlich wollte ich es auch nicht übertreiben, denn jeder der beiden hat eine Mutter, die ich niemals versuchen würde zu ersetzen. Das ist nicht meine Aufgabe und auch nicht mein Ziel. Ich bin die Freundin ihres Papas und meine Aufgabe ist es, ihnen die Zeit bei uns so schön und familiär wie möglich zu machen, dass sie trotz der  Familienverhältnisse eine wundervolle und unkomlizierte Kindheit haben.

Mittlerweile sind wir 3,5 Jahre zusammen und ich bin so unendlich froh, diese drei Männer in meinem Leben zu haben! Sie sind alles für mich und auch wenn ich manchmal mit den Nerven am Ende bin, sind sie alles für mich! Sie sind meine Familie, mein Leben!

Natürlich gibt es einige Schwierigkeiten

 

  1. Ich bin nicht die Mama auf die man nunmal als Kind hört. Ich bin aber auch nicht die Freundin, mit der man den ganzen Tag nur Spaß haben kann. Denn auch, wenn die Kinder natürlich ein schönes Wochenende oder schöne Ferien haben sollen, gibt es Regeln und einfach Dinge, an die sie sich halten müssen. Denn jeder der Kinder hat weiß, wenn man diese Dinge nicht hat, wird einem auf der Nase herumgetanzt. Manchmal ist es schwer das durchzuziehen, denn ich will auch nicht, dass sie böse auf mich sind, wenn ich mal schimpfe. Aber manchmal muss das eben sein, um ein geregeltes Familienleben leben zu können.
  2. Jeder erzieht anderes. Jeder hat andere Normen und Werte die für einen wichtig sind und manchmal, wird das echt zum Problem. Denn nur weil für mich bestimmte Dinge wichtig und normal sind, heißt das nicht, dass es für Andere auch so ist. Das ist der Grund, weshalb für mich manche Sachen eben einfach normal sind, die für die Kleinen völlig neu und unverständlich sind. Das war immer Mal wieder ein kleines Problem, aber mittlerweile sind die beiden in einem Alter, in dem sie genau wissen, welche Rituale und Regeln bei uns zählen und wie sie das zu trennen haben.
  3. Die Sache mit den Müttern. Ich denke jeder kann sich vorstellen, dass es am Anfang einer Beziehung komisch ist, ständig mit der Ex des Freundes in Kontakt stehen zu müssen. Das war zu Beginn auch echt sehr komisch, vorallem weil es ja gleich zwei sind. Und alle die mit dem Thema Patchwork oder Trennungen in Familien schon einmal Erfahrungen gemacht hat weiß, dass es oft zu Streitereien und Problemen kommt. Probleme die echt schwierig sind und die man in dem Alter normalerweise noch nicht hat. Unterhalt, Sorgerecht, Gericht, Jugendamt… Das war am Anfang extrem, aber zum Glück hat sich das mittlerweile gut eingependelt. Es gibt natürlich immer mal wieder das ein oder andere Thema, das zu Schwierigkeiten führt, aber im Großen und Ganzen klappt es ganz gut. Ich denke und weiß, dass es da bei anderen Familien viiiiil schlimmer ist, also will ich mich da mal nicht beschweren.
  4. Party, Shoppen und Urlaub sind erstmal nebensächlich! Wir haben die Kleinen jedes zweite Wochenende und in einem Großteil unseres Urlaubs (der große ist mittlerweile auch jeden 2. Mittwoch oder auch mal zwischendurch da). Das heißt also, dass in dieser Zeit Familienleben angesagt ist. Spielplatz, Schwimmbad, Fahrrad fahren, Lego bauen und so weiter…An den restlichen Wochenenden bin ich einfach froh, wenn ich im Haushalt mal was geschafft bekomme, oder wenn ich einfach mal ausschlafen und nichts tun kann! Party ist da vielleicht alle paar Monate mal drin, wobei ich das auch echt nicht vermisse, weil ich noch nie die größte Partymaus war.  Shoppen ist auch so eine lustige Sache. Es kommt echt nicht so oft vor, dass am Ende des Monats Geld zum Shoppen für mich übrig ist, aber wenn dann sieht das in etwa so aus: „Geil, Glammour-Shopping-Week…Jetzt gehts ab! Ich hab ein paar Euro und richtig Bock zum Shoppen! Oh, da ist eine Kinderabteilung. Oh wow, der Pulli ist ja süß! Aaaaaww und die Hose! Naja er hat zwar schon genug aber die ist echt zu schön!“ . Am Ende ist mein Geldbeutel leer, der Kinderschrank voller und meiner immer noch genauso wie zuvor!
  5. Und ganz ehrlich? All diese Dinge und sind echt manchmal sehr belastend und machen einen echt fertig. Es ist anstrengen immer wieder mit solchen Streitereien und Situationen belastet zu werden und es ist anstrengend plötzlich zwei Kinder zu haben, die nunmal anstrengend sind. Aber wenn man das Ganze nicht gewohnt ist, nicht schwanger war, keinen Säugling großgezogen hat und nicht langsam Zeit hatte in diese neue Rolle reinzufinden. Sondern ganz plötzlich so in die Situation reingerät, ist es irgendwie nochmal eine ganz andere Sache. Wir haben unsere ruhigen Wochentage mit Arbeit, Haushalt und Ruhe und am Wochenende gehts dann plötzlich riiichtig ab! Um 7 Uhr morgen gehts los, power, power, power bis abends. Das ist super anstrengen! Körperlich und auch psychisch. Aber wenn dann ein kleiner Junge abends in deinem Arm liegt und sagt „Lena und Papa, ich habe euch sehr lieb!“, dann war es das alles wert!

Aber meiner Meinung überwiegen einfach die positiven Dinge

 

  1. Ich habe früh gelernt Verantwortung zu übernehmen. Während Andere in meinem Alter zu Hause bei Mama wohnen, sich noch bekochen lassen, ihre Wäsche gewaschen bekommen und ihr ganzes Geld für sich haben, hatte ich mit 19 einen eigenen Haushalt. Und das nicht für eine oder zwei Personen, nein für vier (plus Hund)! Ich habe Windeln gewechselt, verkackte Kleider gewaschen, versucht kindgerecht zu kochen (oder überhaupt irgendetwas Essbares) und musste schnell lernen mit meinem Geld umzugehen. Ich muss ein Vorbild sein, immer gut zuhören, Verständnis zeigen und einfach für meine Familie da sein, wenn sie mich brauch. Aber soll ich dir was sagen? Ich liebe jede einzelne Sekunde und will nichts missen!
  2. Ich kann schon mal üben. Denn auch wenn ich natürlich nicht weiß, wie es ist wirklich eine Mutter zu sein, schwanger zu sein und ein Baby zu haben und die Nächte durchzumachen. Ich weiß aber doch schon Einiges, dass Andere zu Beginn nicht wissen. Ich kann Windeln wechseln, weiß in etwa was im Alter zwischen 1 und 7 Jahren alles so abgeht und weiß vorallem, dass man nicht eben mal ein Kind macht. Sondern dass es eine riesige Verantwortung ist und dass es eben nicht immer nur süß und schön ist, wie man manchmal denkt!
  3. Ich habe jetzt schon eine wundervolle Familie. Denn das ist doch das was im Leben wirklich zählt!
  4. Mein Kind wird irgendwann mal kein Einzelkind sein, sondern auf jeden Fall mindestes 2 Brüder haben, die besser und liebevoller nicht sein könnten!
  5. Wenn die beiden groß sind, bin ich immer noch jung und kann schön mit ihnen feiern gehen (vorausgesetzt ich bin ihnen nicht peinlich).
  6. Ich bin glücklich!

Ich bin glücklich! Ich bin stolz auf das was ich zusammen mit meinem Freund schon geschafft habe, was ich schon geschafft habe! Ich liebe mein Leben genauso wie es ist, auch wenn es vielleicht  nicht einfach und normal ist, aber genau das macht es so toll wie es ist!

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