Schluss mit Hotel Mama – 6 Tipp’s die das Ausziehen leichter machen

Drei Jahre vor meinem Auszug ließen meine Eltern sich scheiden. Ich lebte also mit meiner Mama alleine. Allerdings war es bei uns nicht so, dass ich „nur“ mein Zimmer hatte und der Rest gehörte meiner Mama, sondern wir betrachteten das Ganze eher wie eine WG. Jeder hatte sein eigenes Zimmer, in dem man sich zurückziehen konnte und dann hatten wir unser gemeinsames Wohnzimmer, wo wir gemeinsam viel Zeit verbrachten. Wenn einer von uns allerdings mal Besuch hatte, zog sich der Andere eben in sein Zimmer zurück. Meine Mama erledigte das Einkaufen, die Wäsche und so weiter. Ich war für das Putzen zuständig. Wir kochten kaum und wenn, dann wechselten wir uns ab. Ich habe diese Zeit geliebt und bin echt froh, so eine tolle Mama zu haben, zu der ich auch immer wieder zurückkönnte, wenn ich es wollen würde.

Kurz nach meinem 19. Geburtstag trat dann mein Freund in mein Leben. Er lebte auch seit drei Monaten wieder bei seinen Eltern, da seine Exfrau mit seinem Sohn in der alten Wohnung blieb. Aber irgendwie war es von Anfang an so, dass er jeden Tag bei mir übernachtete. Also machte meine Mama uns den Vorschlag, dass er einfach Teil unserer WG wird und so geschah es dann auch. Er packte seine wenigen Sachen zusammen und zog mit mir in mein Zimmer. Für uns beide war das auch super und hätte bestimmt auch länger funktioniert, allerdings waren da ja noch seine zwei wundervollen Söhne. Die beiden kamen also dann am Wochenende auch noch in das kleine Zimmer und das war einfach zu viel. Es war zu eng, wir konnten keine Routinen aufbauen und es war einfach der absolute Stress.

Also entschieden wir uns nach knapp 5 Monaten Beziehung, uns eine eigene Wohnung zu suchen. Er kannte sich da ja schon ein wenig aus und wusste auf was man achten musste. Nach nicht allzu langer Suche fanden wir spontan eine Wohnung und zogen gleich ein. Was ich dort lernte und warum wir dort mittlerweile zum Glück nicht mehr wohnen, erzähle ich dir jetzt…

Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Ich konnte mir von so einigen Leuten anhören, dass es doch viel zu früh sei. Dass wir doch noch nicht lange genug zusammen sind und dass wir doch noch warten sollten. Aber warum? Für uns fühlte es sich richtig an, wir waren bereit. Ich wollte meinen eigenen Haushalt, wollte anfangen mir meine Zukunft mit meinem Freund aufzubauen. Wenn du lieber länger zu Hause wohnen willst, dann tu das und lass dich nicht drängen. Aber wenn du das Gefühl hast dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist, dann verlasse dich auf dein Gefühl und lass dir nichts einreden.

Rechne alles genau durch und versuche garnicht erst zu schummeln!!

Wir haben das damals auch getan. Nach unserer Rechnung kam heraus, dass wir nachdem wir Miete, Nebenkosten, Benzin und Essen herausrechneten noch ca. 350€ übrig haben würden. Na prima, passt doch! Hahaha – guter Witz.
Ich weiß nicht, wie wir auf dieses Ergebnis gekommen sind, aber es hat auf jeden Fall nicht funktioniert. Also rechne wirklich ALLE Kosten ein und runde nicht ab, sondern rechne eher überall noch ein paar Euro drauf. Denn gerade was Essen und solche Dinge angeht, verschätzt man sich schnell und dann wird es eng!

Fang lieber klein an

Ganz oft höre ich den Satz „Ich ziehe erst aus, wenn ich Geld für Eigentum habe. Warum lange Miete in Wohnungen stecken, wenn ich mir dann direkt ein Haus kaufen kann und somit in meine Zukunft investiere.“
Ja, das hört sich echt super an! Aber weißt du wie viel Arbeit so ein eigener Haushalt ist? Ja klar, jeder räumt zu Hause mal die Spülmaschine aus oder geht mal einkaufen. Aber glaub mir, das ist definitiv was Anderes und ich sage dir, dass so ein Haushalt dich am Anfang echt überfordern kann. Wenn ich mir jetzt noch vorstelle, ein riesiges Haus mit großem Garten zu haben – tschau! Ich denke es ist leichter, erst einmal klein anzufangen. Du MUSST einkaufen, sonst hast du nichts zum Essen. Du MUSST sauber machen und die Wäsche machen, denn es macht sonst keiner. Du MUSST dich jeden Tag um dein Geschirr kümmern, nicht nur dann, wenn du eben mal Zeit hast.
Die erste Wohnung ist meistens ein Experiment, das dir hilft zu sehen wie das Leben wirklich läuft und danach kannst du entscheiden, was du dir zumutest und was für dich passt!

Schau genau hin und nehme nicht die erstbeste Wohnung

Wir haben die erste Wohnung genommen, die wir uns angeschaut haben. Wir mussten uns schnell entscheiden und da die Lage und der Ausblick fantastisch waren, entschieden wir uns direkt dafür. Der Aufbau der Wohnung war auch toll und das Bad erst. Aber der Rest? Es war eine Dachwohnung in einem alten Haus, an dem kaum etwas gemacht wurde. Das hieß für uns also extreme Heizkosten, und trotzdem nur maximal 17 °c im Winter. Dafür hatten wir dann gefühlte 50°c im Winter. Es zog durch die Fenster, um zu duschen musste man das Wasser 10 Minuten warm laufen lassen. Die Holzdecken nervten mich nach einigen Wochen total und zum Waschen musste ich in den Keller… vom Dachgeschoss aus!
Es war irgendwann nur noch schrecklich und wir waren so unendlich froh, als wir nach einem Jahr endlich wieder draußen waren.
Also schau genau hin, passt es wirklich und mache nicht zu viele Kompromisse!

Du brauchst nicht direkt Alles!

Man hat natürlich seine Wunschvorstellung was man alle haben will. Perfekt passende Möbel, alle Küchenutensilien die man so haben kann, perfekte Deko und das zu jeder Jahreszeit. Aber das funktioniert in den meisten Fällen nicht. Am Anfang braucht man nicht alles. Lebe dich erst einmal ein, schau was du wirklich brauchst und alles andere kommt mit der Zeit. Ich bin vor drei Jahren ausgezogen, hab mittlerweile wieder eine Menge ausgemistet, weil ich es doch nicht brauchte und bin immer noch dabei, an meiner Wohnung zu arbeiten. Das Ganze ist ein Prozess, der wahrscheinlich nie ganz abgeschlossen ist.

Nimm Hilfe an, aber lerne NEIN zu sagen

Hilfe ist wichtig. Nicht zur beim Umzug sondern auch wenn es um gute Tipps. Ohne die Hilfe unserer Eltern und unserer Familie, hätten wir das wohl nicht alles geschafft. Aber, du musst auch mal Nein sagen. Nur weil andere etwas loswerden wollen, musst du es nicht nehmen, wenn du es nicht brauchst oder es dir nicht gefällt. Alle Verwandten wollten uns ihren gesamten Kellerinhalt, 100 Jahre alte Möbel und Tonnenwiese altes Geschirr andrehen. Das ist ja nett gemeint aber irgendwo gibt es auch Grenzen, immerhin will ich keine Wohnung die aussieht wie ein Flohmarkt.
Auch das Thema Möbel aussuchen ist so eine Sache. Entscheide dich für die Dinge die DIR gefallen. Nur weil deine Eltern der Meinung sind, dass Holz zeitlos ist und weiße Möbel nicht, heißt das nicht, dass das auch deinem Geschmack entspricht. Aber am Ende bist du derjenige, der sich wohlfühlen muss.

Das sind einige der Dinge, die ich gelernt habe, allerdings muss jeder seine eigenen Erfahrungen machen. Also hör auf dein Bauchgefühl, überlege was du willst und lass dir nichts vorschreiben. Allerdings solltest du gut gemeinte Ratschläge manchmal auch annehmen, denn meistens sind diese doch hilfreich und du wirst irgendwann den Satz hören „Ich hab es dir doch gesagt!“

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