Bist du hochsensibel?

Schon mein ganzes Leben lang fällt mir auf, dass ich mich manchmal irgendwie anders fühle. Obwohl ich mich eigentlich nicht als besonders schüchtern bezeichnen würde, fühle ich mich oft in manchen Gruppen nicht besonders wohl. Versteht mich nicht falsch, ich liebe es Zeit mit Menschen zu verbringen die ich mag und die mir nahestehen, allerdings gibt es von denen nicht so viele, wie das bei Anderen der Fall ist. In vielen Gruppen fühle ich mich irgendwie fehl am Platz und ich bin froh, wenn ich wieder dort wegkomme. Ich bin auch ein Mensch der gerne Zeit allein verbringt. Ich kann mich gut beschäftigen und es wird mir nur selten langweilig. Auch bei der Arbeit kann ich mich am allerbesten konzentrieren, wenn ich für mich bin und meine Ruhe habe. Allerdings sitze ich zurzeit die meiste Zeit in einem Großraumbüro, was mich echt total verrückt macht. Aber nicht, weil ich die Leute um mich herum nicht mag – meine Kollegen sind super, aber es ist einfach immer so viel los. Jeder tippt, telefoniert und redet. Dann geht der Drucker am laufenden Band und ständig riecht es irgendwie nach Essen…

Als ich vor kurzem eine Zeit durchlebt habe, in der es mich wirklich nicht gut ging und ich einfach nicht wusste woran es lag, bin ich auf einen Artikel gestoßen, der endlich Licht ins Dunkle gebracht hat. Es um das Thema Hochsensibilität und bevor ich nun weiter über mich rede, erkläre ich erst einmal, was das eigentlich bedeutet.

Hochsensibel – was ist das?

Man sagt, dass ca. 15 bis 20% der Deutschen hochsensibel sind, also Sinnesreize und Emotionen stärker wahrnehmen als Andere. Nein –  es handelt sich hierbei nicht um ein Krankheit, sondern lediglich über ein Persönlichkeitsmerkmal. Betroffene nehmen Sinne einfach stärker wahr als der Durchschnitt, sämtliche Sinne prasseln ohne Filter auf einen ein, was manchmal durchaus anstrengend sein kann und schnell zur Überforderung führen kann.

Manche nehmen alle Sinne stärker wahr, allerdings kann es auch sein, dass nur bestimme Sinne betroffen sind. Vielleicht bist du ein Mensch, der sehr geschmacksempfindlich bist. Vielleicht nimmst du bestimmte visuelle Reize besser wahr, siehst also Dinge, die anderen nicht direkt auffallen. Wenn dein Hörsinn betroffen ist, heißt das nicht unbedingt, dass du besser hörst, sondern dass dein Gehör nicht in der Lage ist, bestimme Geräusche auszublenden wie z.B. das Brummen des Druckers oder das Gerede der Leute um dich herum. 

Hochsensible Menschen sind aber auch auf emotionaler Ebene oft viel empfänglicher. Sie reagieren oft sehr stark emotional auf Musik, sind sehr empathisch, spüren oft, wenn Andere sich nicht gut fühlen. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, dass das Ganze schnell sehr anstrengend sein kann. Man ist schnell Reizüberflutet und braucht Zeit ganz allein um die vielen Reize zu verarbeiten.

Wenn du hochsensibel bist, äußerte sich das wahrscheinlich schon in deiner Kindheit. Während du zu Hause total wach und gelöst warst, bist du in der Öffentlichkeit erst einmal verstummt und hast lange gebraucht, um dich in einer neuen Umgebung einzufinden und wohlzufühlen. Auch die tägliche Trennung zu deinen Eltern im Kindergarten wurde immer zum Drama. Während andere Kinder nach einem aufregenden Tag total ausgelaugt ins Bett gefallen sind, warst du lange aufgedreht und Reizüberflutet, konntest schlecht einschlafen, weil die Gedanken nicht stillstanden und hast alles im Traum verarbeitet.

Ob du Hochsensibel bist kannst nur du selbst herausfinden, denn wie gesagt, es ist keine Krankheit und es gibt keine Untersuchung, die Klarheit bringt. Wenn die all das allerdings bekannt vorkommt, kann ich dir empfehlen mal online zu recherchieren. Es gibt viele Seiten zu dem Thema und einige Selbsttests, die du machen kannst.

Wie wars bei mir?


Genau so war es bei mir schon immer! Ich war bei meiner Familie und meinen Freunden immer ein offenes und sehr kommunikatives Kind, allerdings habe ich mit fremden kein Wort geredet. Es war harte Arbeit für neue Leute, eine Beziehung mit mir aufzubauen. Ich habe super gerne alleine in meinem Zimmer gespielt, hab gemalt, gebastelt, habe Hörspiele gehört oder mit meinen Puppen gespielt.

Wenn ich mit Freundinnen Streit hatte, hat mich das so sehr beschäftigt, dass ich an nichts anderes dachte und Tage lang nicht schlafen konnte. Auch nach Kindergeburtstagen oder anderen Erlebnissen konnte ich nicht schlafen, habe sehr stark geträumt, im Traum geredet oder bin einfach mal mitten im Zimmer stehend aufgewacht.

Das mit dem Schlafen ist heute immer noch so. Ich habe oft das Problem stundenlang wachzuliegen weil meine Gedanken so laut sind. Egal ob ein wichtiger Termin ansteht, ich einen Streit hatte oder einfach nur eine super Idee habe, die ich gerne umsetzten würde – ich kann nicht einschlafen und wenn doch, Träume ich super stark und schlafe dadurch total unruhig. Außerdem hasse ich Menschenmassen. Ich fühle mich schnell erdrückt und gehe zum Beispiel super ungern Samstagsmittags einkaufen und besonders das Shoppen mit Freunden wird dadurch leicht zum Alptraum. Da ich wie gesagt einem Großraumbüro arbeite, macht mir das oft wirklich sehr zu schaffen. Je später es wird, desto lauter dröhnen die Geräusche um mich herum im Kopf und irgendwann muss ich einfach raus, auch wenn ich nur mal um den Block laufe.


Außerdem würde ich mich als sehr empathischen Menschen beschreiben. Ich habe ein riesiges Problem mit Ungerechtigkeit. Wenn andere gemobbt werden, ungerecht behandelt oder zu unrecht verurteilt werden macht mich das verrückt und ich kann dann auch nicht meine Klappe halten. Ich bin seit knapp einem Jahr Vegetarier und versuche immer mehr Richtung Veganismus zu gehen, weil ich es nicht ertragen kann, dass auf dieser Welt so viele Tiere gequält werden. Ich könnte hier noch stundenlang weiterreden aber ich denke du weißt, was ich meine.


Das Einzige, was mir dann hilft, wenn ich so richtig Reizüberflutet bin, ist alleine zu sein. Alleine mit mir selbst und meinen Gedanken zu sein. Entweder ich gehe ins Schlafzimmer und lese eine Runde, schaue Youtube Videos oder gehe ein bisschen in die Badewanne. Manchmal hilft auch ein Spaziergang mit den Hunden oder ich setze mir Kopfhörer auf und höre einen Podcast oder ein Hörbuch. Egal wie sehr ich meinen Freund liebe, auch er kann mir da dann nicht helfen und muss dann eben akzeptieren, dass ich einfach in ein anderes Zimmer verschwinde.

Deshalb habe ich vor einigen Jahren auch aufgehört richtig feiern zu gehen. Was für andere an jedem Wochenende ein Muss ist, stresst mich meistens einfach nur und ich bin dann immer so froh, wenn ich wieder zu Hause bin. Natürlich liebe ich es ab und zu auch mal mit meinen Freunden etwas tolles zu unternehmen oder mal ein bisschen zu feiern, aber dann reicht es mir meistens ich schon wieder für die nächsten Wochen.

Der einzige Tipp, den ich dir geben kann, wenn dir das bekannt vorkommt ist: Finde heraus was dich beruhigt und versuche das regelmäßig umzusetzen, um einfach mal wieder runterzufahren, damit du wieder klar denken kannst. Akzeptiere, dass du eben ein bisschen sensibler bist, denn das ist okay! Du musst nicht bei jeder Feier und bei jedem Abenteuer dabei sein, wenn du das Gefühl hast, dass es nicht das Richtige für dich ist. Ein ruhiger Samstagabend auf der Couch ist doch auch mal ganz nett.

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